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1 Jahr nach Yolanda

Autor: Simon | Datum: 10 November 2014, 02:15 | 1 Kommentare

Am 8. November 2013 wurden die Philippinen vom Supertaifun Yolanda (internationaler Name: Taifun Hayian) getroffen. Die Inseln Leyte und Samar wurden vom Taifun am stärksten zerstört. In Tacloban, der Hauptstadt der Provinz Leytes sind Schätzungsweise 10.000 Menschen umgekommen. Insgesamt sind wahrscheinlich auf beiden Inseln über 4 Millionen Menschen von heute auf morgen Obdachlos geworden.

Schiff mitten in Tacloban Erinnerungsgottedienst an Yolanda

Zum Fotoalbum: 1 Jahr nach Yolanda

Der ganze Eintrag:

Zum Gedenken an die Opfer des Taifuns wurde am Morgen des Samstag dem 8. November ein ökumenischer Gottesdienst am Astrodome gefeiert. Das Astrodome ist ein Basketballstadion direkt am Meer, in dem viele Menschen Zuflucht vor dem Sturm gesucht haben und von der Flutwelle, die von Yolanda ausgelöst wurde, getötet worden sind. Tacloban ist mit dem Bus ungefähr zwei Stunden von Kananga entfernt. Wir Freiwilligen, Nils Angela und ich sind nach Tacloban gereist und mit der Freiwilligen Emily und Dobert und Bishop Jaime Morilles am Gottesdienst teilzunehmen und die Stadt und die Auswirkungen des Taifuns zu sehen. Der Gottesdienst wurde von einem katholischen Prister, einem Pastor der Iglesia Filipina Independiente, einem Pastor der National Methodist Church und, dem General Secretary Bishop Reuel Norman O. Marigza (UCCP) und Bishop Jaime Morilles (UCCP) und Pastor Mylen Besoyo Sale-Kadusale (UCCP). Die Stimmung während des Gottesdienstes war bedrückend. Ich konnte mir kaum vorstellen, was vor einem Jahr hier passierte, als ich das ruhige Meer und den blauen Himmel gesehen habe. Es wurde gemeinsam Abendmahl und Kommunion gefeiert, ich war überrascht, weil ich das noch nie zuvor erlebt habe. Neben der Trauer um Angehörige und Freunde konnte ich deutlich die Frustration über das Krisenmanagement der Regierung hören und spüren. Im Anschluss an den Gottesdienst fand eine Demonstration statt, an der sich auch die UCCP beteiligte. Als ausländische Freiwillige haben wir nicht aktiv an der Demo teilgenommen und nur vom Bürgersteig aus beobachtet. Kritisiert wurde, dass Gelder, die von anderen Ländern aufgebracht wurden, nicht bei den am stärksten Betroffenen angekommen sind und es immer noch eine Zeltstadt in Tacloban gibt, weil Menschen ihre Häuser nicht aufbauen können. Abends wurde eine Lichterkette aus Kerzen durch die ganze Stadt aufgebaut als Erinnerung an geliebte Personen, die dem Taifun zum Opfer gefallen sind. 

Das Astrodom in Tacloban  Pastoren unterschiedlicher Konfessionen

Sonntag morgen wurden vom National Council of Churches in the Phlippines (NCCP) in der unter anderem die UCCP Mitglied ist sogenannte Put-Puts eingeweiht. Put-Puts sind Fahrräder mit Beiwagen für Fahrgäste. Ich vermute der Name kommt von dem Geräusch, das die Handhupe macht. Die Put-Puts wurden von der NCCP in der Aktion ActAlliance gesponsort. Auch die Put-Put-Fahrer waren vom Taifun betroffen und sind vom Taifun um ihre Fahrzeuge gebracht wurden. Die neuen Put-Puts ermöglichen es ihnen ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Wir konnten die Fahrzeuge vor der Übergabe ausprobieren. Und während ich fast in einen Stützpfeiler gerast bin ist mir ist aufgefallen, dass sowohl die Balance und auch die Bremse anders funktionieren als bei meinem Fahrrad in Deutschland.

 

neue Put-Puts Das Put-Put, der Pfosten und ich

Mehr Put-Put Fotos: ActAlliance/ Put-Put-Übergabe

Während der Zeit, die ich bis jetzt in Leyte verbracht habe, kann ich auch ein Jahr nach der Katastrophe Hinweise von Yolanda entdecken. Viele Gebäude sind zwar wieder aufgebaut (das Shoppingcenter war eines der ersten) doch ab und zu kann man noch Häuser mit eingestürztem Dach sehen. Auch die Infrastruktur ist noch nicht ganz wiederhergestellt. In Tacloban gibt es noch Gebiete ohne Strom und die Telefonleitungen nach Kananga wurden erst vor wenigen Wochen vollständig verlegt. Eine der heftigsten sichtbaren Spuren ist eines großen Schiff, das in die Stadt gespült wurde und Häuser und deren Besitzer unter sich begraben hat. Letzten Sonntag konnten wir sehen, wie es fast vollständig abgetragen wurde. Doch noch vor einem Monat stand das gesamte Schiffe mitten zwischen neu gebauten Häusern.

Auf dem Land sind Bauern besonders betroffen von Yolanda. Ihre Ernten wurden zerstört und sogar Obstbäume wurden entwurzelt.. Kokosnussbauern müssen jetzt teilweise 5 Jahre warten, bis die neu gepflanzten Bäume zum ersten Mal Früchte tragen.

Die Lehrer und Schüler des NHIs haben Angela und mir viel über ihre Erlebnisse erzählt. Mein Freund Toto hat mir erzählt, wie sich die Lehrer mit denen ich im Wohnheim lebe anfangs in einem Klassenraum vor dem Sturm versteckt haben. Als sie bemerkten, dass dieser nicht stabil genug ist sind sie zu 5 auf der Toilette versteckt, weil kleine Räume die Decke besser tragen. Mehrere Stunden haben sie dort ausgeharrt. Es hat hinein geregnet und sie konnten wegen des 300 Stundenkilometer schnellen Sturms nicht nach draußen schauen! Das Klassenzimmer wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Auch die meisten anderen Gebäude sind eingestürzt und Schulmaterialien wurden vernichtet. Ich habe schon mitbekommen, dass während eines Taifuns die Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken, weil sie Angst vor einem erneuten Supertaifun haben.

Yolanda war ein so starker Taifun wie er in 50 bis 100 Jahren nur einmal stattfindet. Jedoch nimmt die Zahl und die Stärke von Taifunen insgesamt messbar zu. Auch verändern sich die Jahreszeiten auf den Philippinen und die Taifunzeit ist deutlich länger geworden. Dies sind die direkten Folgen der menschengemachten globalen Erderwärmung. Die Philippinen sind für diese besonders anfällig, weil sie im Gebiet der Stärksten tropischen Stürmen liegen und durch den Anstieg des Meeresspiegels von Überschwemmungen bedroht sind. Gerade die ärmsten Menschen trifft es hier am härtesten, weil sie kaum Möglichkeiten haben sich vor dem Taifun zu verstecken und nach einem Taifun ihren gesamten Besitz verlieren. Je mehr ich über dieses Thema höre desto ungerechter finde ich es, dass andere Menschen die Folgen "unsereres"* Ausstoßes an Treibhausgasen tragen müssen.

*Mit "uns" meine ich Menschen aus Ländern des globalen Nordens, die den größten Anteil an  Treibhausgasen produzieren.

Lichterkette Klimagerechtigkeit

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Kommentare

  1. 1. Ruth Hansen  |  05 Januar 2015, 04:11

    You are certainly correct that those who are most vulnerable to extreme weather bear the brunt of climate change. All of us who live "energy rich" lives should live for a time in such a place and get to know the people who experience the devastating effects of climate change. It could make us more compassionate and force us to think more carefully about how our lifestyle affects everyone in the world.

 

 

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